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Wie Sprache und Handeln mathematisches Denken formen

Die Verbindung zwischen Sprache, Begriffsbildung und mathematischem Verstehen

Messegelände
10:30 - 11:00 Uhr Fr. 20. März
Veranstalter: TimeTEX HERMEDIA Verlag GmbH

Kurzbeschreibung

Viele Schwierigkeiten entstehen nicht erst beim Rechnen selbst, sondern viel früher.

Beschreibung

30 % der 15-Jährigen verfehlen heute die Mindeststandards in Mathematik. Doch viele Schwierigkeiten entstehen nicht erst beim Rechnen selbst, sondern viel früher: beim Verstehen der Begriffe, die mathematische Sachverhalte beschreiben. Wenn Wörter wie mehr, weniger, doppelt, teilen etc. keinen klaren Inhalt haben, kann daraus kein tragfähiges mathematisches Denken entstehen – ganz gleich, wie viel geübt wird.
Dieser Vortrag zeigt, wie eng Sprache, Begriffsbildung und mathematisches Verstehen miteinander verbunden sind. Was brauchen Kinder, um mathematische Begriffe wirklich zu begreifen? Wie entstehen mathematische Vorstellungen, die Rechen erst möglich machen? Und was bedeutet das für Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen?

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 sind deutlich: Rund 30 Prozent der 15-Jährigen verfehlen die Mindeststandards in Mathematik, wie eingangs erwähnt. Diese Zahl zeigt, wie dringend wir darüber sprechen müssen, wie mathematisches Verstehen überhaupt entsteht – und welche Rolle Sprache dabei spielt.
Mathematisches Denken beginnt nicht mit Zahlen, sondern damit, dass Kinder beschreiben, vergleichen, ordnen und erklären. Ludwig Wittgenstein, ein bedeutender Sprachphilosoph, prägte den Satz: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Er macht damit deutlich, wie eng Denken und Sprache miteinander verbunden sind. Übertragen auf die Mathematik bedeutet das: Kinder können nicht denken, was sie sprachlich nicht fassen können. Begriffe wie „mehr“, „weniger“, „doppelt“, „teilen“ oder „Zehner“ tragen mathematische Bedeutung – doch diese Bedeutung entsteht nicht von selbst. Sie muss aufgebaut, erlebt und sprachlich begleitet werden.
Hans Aebli beschreibt, wie äußere Handlungen schrittweise verinnerlicht werden und als „inneres Handeln“ das Denken strukturieren. Damit Kinder mathematisch denken
können, müssen Begriffe mit Inhalt gefüllt sein: Sie brauchen eine klare Vorstellung davon, was „mehr“ bedeutet, wie sich etwas verdoppelt oder was beim Teilen passiert. Viele Fehler entstehen nicht, weil Kinder das Rechnen nicht beherrschen, sondern weil Begriffe nicht mit Bedeutung verankert sind – und damit auch keine tragfähigen Denkwege entstehen können.
Die Forschung, wie eng mathematisches Verständnis an Sprachkompetenz und Lesefähigkeit gebunden ist. Nicht nur Text- und Sachaufgaben verlangen, mathematische Beziehungen aus Sprache zu erschließen. Auch grundlegende mathematische Operationen setzen voraus, dass Begriffe sicher verstanden sind: Nur wer sprachlich unterscheiden kann, was „mehr“, „weniger“, „geteilt“ oder „mal“ bedeuten, kann entscheiden, welche Operation sinnvoll ist. Sprache ist somit Voraussetzung für mathematisches Basiswissen.
Was müssen wir dabei mit Blick auf mehrsprachige Kinder beachten? Sie bewegen sich in mehreren sprachlichen Bedeutungsräumen. Das eröffnet wichtige Ressourcen, stellt uns aber auch vor die Frage, wie mathematische Begriffe so aufgebaut und begleitet werden können, dass alle Kinder – unabhängig von ihren Sprachbiografien – sichere innere Vorstellungen entwickeln.
Dieser Vortrag richtet sich an Lehrpersonen, Kita-Fachkräfte und Menschen, die Kinder beim mathematischen Lernen begleiten. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie Begriffe entstehen, wie Sprache mathematische Vorstellungen formt und wie Erwachsene Kinder so unterstützen können, dass Rechnen wirklich gelingt.

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Trendforum Bildung  (Halle 2, A301)