Große Reflexionen über Glück, Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei?
Auf der einen Seite ermöglicht die Donau seit jeher Migration, Handel und kulturellen Austausch, auf der anderen Seite trennt sie immer wieder zwischen Territorien, Nationen und Ideologien. Ambivalenz ist, was sie vereint − im Guten wie im Schlechten. Im Rahmen des Fokusthemas „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ finden all diese Aspekte auf der Donaubühne der Leipziger Buchmesse 2026 besondere Beachtung. Der digitale Abend am 03. Februar mit Autor Michal Hvorecký und Übersetzerin Stefanie Bose gibt einen Vorgeschmack auf das Programm.
In der Sowjetunion trug der Einmarsch in die ČSSR den Codenamen „Donau“ – aus Sicht des ukrainischen Autors Juri Andruchowytsch wird der Fluss damit zur Chiffre für Westen und Freiheit. Im Podcast „Donau-Flaschenpost“ zum Fokusthema der Leipziger Buchmesse 2026 fasst der österreichische Buchpreisträger Dimitré Dinev diese Sehnsucht in folgende Worte: „Die Donau war eine Grenze, die uns von einem Teil der Welt trennte, nach dem wir uns immer gesehnt haben.“ Der Fluss ist seit jeher Schauplatz unterschiedlicher Lebensrealitäten, sozialer Gegensätze und Konflikte. Hier verdichten sich die Gegensätze zwischen Ost und West, Arm und Reich. Die Donau erscheint als Trennlinie zwischen politischen Systemen, sozialen Klassen und historischen Erfahrungen. In der idyllischen Flusslandschaft prallen verschiedene Lebenswelten aufeinander, dabei entstehen Missverständnisse, Konflikte und nicht selten Katastrophen.
Was gegenwärtig alles auf einer 2.400 Kilometer langen Balkanreise passieren kann, davon berichtet Autor Martin Zinggl, der sein Buch „Das ist kein Spaziergang“ (Knesebeck, 2025) auf der Donaubühne vorstellen wird. Der moldauische Autor Iulian Ciocan erkundet in seinen dystopischen Romanen das Erbe der Sowjetzeit und die neue Bedrohung, zum Beispiel in „Die Königin der Kelche“ (12/2025, Edition Noack & Block, übersetzt und herausgegeben von Julia Richter). Viele Autor:innen aus dem Donauraum setzen sich in den Neuerscheinungen auch mit den Straflagern der kommunistischen Zeit auseinander und sprechen im Bühnenprogramm über deren Schrecken, darunter Catalin Dorian Florescu. In seinem Buch „Matei entdeckt die Freiheit“ (Rowohlt Berlin, 13. März 2026) nimmt der in Rumänien geborene Schweizer Autor und Psychologe uns mit ins blühende Bukarest der 1930er-Jahre bzw. in die Zeit der Diktatur. Wegen politischer Gedichte wird der Protagonist zur Lagerarbeit im Donaudelta verurteilt und bleibt nur durch die Menschlichkeit unter den Häftlingen am Leben. Zwischen den Seiten entstehen, wie auch bei vielen anderen Werken der Donau-Literat:innen, unzählige aufwühlende, poetische Bilder, die das Drama des europäischen Ostens spürbar machen − ein Drama, das bis heute anhält.
Am Dienstag, 03. Februar um 17:30 Uhr findet auf Zoom der zweite digitale Abend statt, bei dem Interessierte vorab einen Einblick in die Literatur und Kultur dieser Region gewinnen können. Nach einer Begrüßung von Buchmessedirektorin Astrid Böhmisch wird das Team von Literaturtest mit dem Programmkurator Stephan Ozsváth über die Themen auf der Donaubühne sprechen und anschließend eine Auswahl aktueller Literatur aus der Region vorstellen. Teilnehmen werden auch der slowakische Autor Michal Hvorecký sowie die Übersetzerin Stefanie Bose. Im Gespräch mit ihnen geht es um ihre Werdegänge und ihre aktuellen Bücher.
Um Anmeldung per Mail an donau@literaturtest.de wird gebeten. Der Link zur Veranstaltung wird allen Teilnehmer:innen vor dem Event zugesendet.
Mehr Informationen zu Fokusthema bietet die Website der Leipziger Buchmesse. Das Programm mit allen Autor:innen wird ab dem 19. Februar veröffentlicht.