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Stanisław Vincenz, Auf der Suche nach dem Taubenbuch des Baal Schem Tow

Geschichten aus den Karpathen von Huzulen, Chassidim und Rachmanen

Stadtgebiet
17:30 - 18:30 Uhr Sa. 21. März
Veranstalter: Polnisches Institut Berlin Filiale Leipzig , Polnisches Buchinstitut / Instytut Książki

Kurzbeschreibung

»(....) einer der interessantesten polnischen Autoren des 20. Jh.« Martin Pollack

Beschreibung

Nebelschwaden ziehen über die Hochweiden der Karpaten, Geschichten wandern von Dorf zu Dorf, und
zwischen jüdischen Gelehrten, chassidischen Wunderrabbinern und dem sagenumwobenen Volk der
Huzulen entfaltet sich eine Welt voller Mythen, Rituale und Erinnerungen. Stanisław Vincenz führt seine
Leserinnen und Leser in eine Landschaft, in der Religion, Natur und Erzähltradition untrennbar miteinander
verwoben sind. Während sich das literarische Interesse lange vor allem auf das sagenumwobene Transsylvanien konzentrierte, rückte im 20. Jahrhundert zunehmend eine andere Region in den Blick: die
Karpatenukraine – das Grenzgebiet zwischen Galizien und der Bukowina. Hier lebten über Jahrhunderte
Juden, Huzulen und andere Bevölkerungsgruppen in enger Nachbarschaft. Von dieser kulturellen Vielfalt
erzählen Vincenz’ Geschichten über Figuren wie Jekely, den Einfältigen, den Judenstein, die Rachmanen oder
den Baal Schem Tow. Mit großer erzählerischer Kraft bewahrt Vincenz die Erinnerung an eine untergegangene Kulturlandschaft Osteuropas. Seine Geschichten erzählen von Begegnungen zwischen jüdischer Mystik,
osteuropäischem Volksglauben und mündlichen Erzähltraditionen – und öffnen ein literarisches Fenster in
eine Welt, die durch Krieg, Vertreibung und Holocaust zerstört wurde, in der Literatur jedoch weiterlebt.
Wer Vincenz liest, entdeckt nicht nur faszinierende Legenden und Figuren, sondern auch eine eindringliche
Erinnerung daran, wie eng die Kulturen des osteuropäischen Vielvölkerraums miteinander verflochten
waren.
Der polnische Schriftsteller Stanisław Vincenz (1888–1971) zählt zu den bedeutenden literarischen Stimmen
Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert. Er wurde im habsburgischen Galizien geboren – einer Region, die über
Jahrhunderte ein bedeutender Lebensraum jüdischer Kultur war und in der polnische, ukrainische und
weitere Traditionen aufeinandertrafen und von habsburgischen, armenischen und südosteuropäischen
Einflüssen geprägt waren. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie gehörte Galizien ab 1918 größtenteils
zur neu gegründeten Republik Polen. In seinen Werken bewahrt Vincenz die untergegangene Welt der
Karpatenregion. Nach dem deutschen und sowjetischen Überfall auf Polen 1939 lebte er im Exil; Fragen nach
Heimatverlust, Erinnerung und europäischer Verantwortung rückten ins Zentrum seines Schreibens. Vincenz
verbindet epische Erzählkunst mit ethnografischer Beobachtung und philosophischer Reflexion und gilt als
wichtiger Chronist eines vielschichtigen Europas, dessen kulturelles Erbe durch Krieg, Nationalismus und
Holocaust zerstört wurde. Seine Texte besitzen bis heute große Aktualität. Für seinen Einsatz zur Rettung
verfolgter Juden in Ungarn wurde Vincenz als einer der Gerechten unter den Völkern geehrt.

Moderation

Mitwirkende:r

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Ariowitsch-Haus - Junger Salon

Adresse
Hinrichsenstraße 14 04105 Leipzig
Kontakt
Website: https://ariowitschhaus.de/