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Zeit zu reden: Kulturkampf als Nabelschau – die deutsche Literaturwelt und Gaza

Eine Diskussion über die Unfähigkeit zu streiten und die Notwendigkeit intellektueller Orientierung

Messegelände
15:15 - 17:15 Uhr So. 22. März
Veranstalter: Forum Offene Gesellschaft

Kurzbeschreibung

mit Esther Dischereit, Tobias Haberkorn und Nora Haddada, moderiert von Kristin Helberg

Beschreibung

Was seit zweieinhalb Jahren in Gaza passiert, hat den Literaturbetrieb in Deutschland gespalten. Die einen beklagen ein „feiges Schweigen gegenüber einem anhaltenden Genozid an den Palästinenser:innen“, die anderen kritisieren „mangelnde Solidarität mit dem bedrohten Staat Israel“. Im Kern geht es dabei nicht um den Schutz jüdischen Lebens oder den Kampf gegen Antisemitismus – beides ist in Deutschland unstrittig – sondern um den Blick auf Israel.
Braucht es gegenüber Israel deutlichere Kritik oder mehr Solidarität? Sollten deutsche Schriftsteller:innen ihre Stimme erheben, um auf der Grundlage der deutschen Geschichte ein „Nie wieder für alle egal wo“ zu postulieren oder eine besondere Verantwortung für den jüdischen Staat anzumahnen? Richten sie ihren intellektuellen Kompass am Völkerrecht oder an der Staatsräson aus? Und warum werden palästinensische und palästinasolidarische Stimmen so wenig gehört, zum Teil diskreditiert und diffamiert?
Die Fronten sind verhärtet, manche sprechen von Kulturkampf. Statt über Tatsachen vor Ort zu diskutieren und respektvoll zu streiten, tabuisiert man Wörter und beschäftigt sich mit sich selbst. Man schreibt offene Briefe, zieht sich zurück, erklärt seinen Austritt, sagt Lesungen und Preisverleihungen ab oder ruft zum Boykott auf.
Das Panel diskutiert, warum es ausgerechnet Literaten nicht gelingt, Kontroversen mit Worten auszutragen, und was aus der Stummheit heraushelfen könnte. Was braucht der Literaturbetrieb, um verengte Diskursräume wieder zu öffnen und auf der Grundlage von Menschenrechten gesellschaftliche Orientierung auch beim Thema Israel und Palästina zu bieten?

Es diskutieren:
Esther Dischereit ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Sie schreibt Prosa, Lyrik und Essays und ist Autorin von Theater- und Hörstücken. Mit „Joëmis Tisch. Eine jüdische Geschichte“ und „Übungen jüdisch zu sein“ wurde sie eine der wichtigsten literarischen Stimmen unter den Nachkommen der Shoa-Überlebenden in Deutschland. 2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Als Professorin lehrte sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien, 2019 als DAAD Chair in Contemporary Poetics an der New York University. Ihr zuletzt erschienenes Werk „Ein Haufen Dollarscheine“ 2025 stand auf der Short List zum Preis der Leipziger Buchmesse.

Tobias Haberkorn ist Literaturwissenschaftler und Journalist in Berlin. Seit Februar 2024 gibt er gemeinsam mit Samir Sellami das zweisprachige Kulturmagazin „Berlin Review“ heraus.

Die Schriftstellerin Nora Haddada studierte Kreatives Schreiben und Literaturwissenschaft in Hildesheim, Berlin und Paris. Ihr Debütroman „Nichts in den Pflanzen“ erschien 2023 bei ecco. Sie lebt in Berlin und Paris. 2025 erschien ihr Roman „Blaue Romanze“ bei S. Fischer.

Die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Kristin Helberg berichtete sieben Jahre lang von Damaskus aus über den Nahen und Mittleren Osten für deutsche, österreichische und Schweizer Hörfunkprogramme sowie verschiedene Print- und Onlinemedien. Heute arbeitet sie als Autorin, Nahostexpertin und Moderatorin in Berlin. Im Herder Verlag erschienen von ihr u.a. „Der Syrien-Krieg. Lösung eines Weltkonflikts“ (2018). Als Stipendiatin der Stiftung Mercator untersuchte sie die syrische Diaspora in Deutschland.

„Zeit zu reden“ ist eine Veranstaltungsreihe zu verschiedenen politischen Themen, die im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt entstanden ist.

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Moderation

Mitwirkende:r

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Forum Offene Gesellschaft  (Halle 5, K500)