SUCHE

Da sitze ich und schreibe jetzt

Messegelände
16:00 - 17:00 Uhr So. 22. März
Veranstalter: Wieser Verlag GmbH

Kurzbeschreibung

Die Ukraine war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Spielball imperialer Willkür.

Beschreibung

Die Ukraine war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Spielball imperialer Willkür, die die Entwicklung der eigenen Literatur und Sprache hemmte. Der Blick auf das Werk vieler bedeutender ukrai nischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller blieb durch Zensur und verfälschende Eingriff e bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verstellt.

Im Wieser Verlag sind jetzt in deutscher Übersetzung zwei großzügige Auswahlbände erschienen, die die Leser:innen mit zwei herausragenden Vertretern der ukrainischen Literatur der letzten 250 Jahre vertraut machen: Nun gut, es waren scheinbar Worte nur … von Taras Schewtschenko (geboren 1814 in Morynzi, Ukraine; gestorben 1861 in Sankt Petersburg) und Wahnsinnig liebe ich das Leben von Mykola Chwylowyj (geboren 1893 in Trostianets; gestorben 1933 in Charkiw).

Taras Schewtschenko gilt unbestritten als der größte Dichter seines Landes. „Vater der Nation“ nannte man ihn, sogar „ukrainischer Papst“. Er wurde nicht einmal 50 Jahre alt: 24 davon lebte er in Leibeigenschaft, in die er hineingeboren wurde; zehn Jahre verbrachte er in der Verbannung. Sein Bildnis hing in den Herrgottswinkeln ukrainischer Bauernstuben und war Gegenstand allgemeiner Verehrung. Die heutige Ukraine war damals aufgeteilt zwischen Zarenreich und Habsburgermonarchie. Die spätere Sowjetmacht verstümmelte Schewtschenkos Werk bis zur Unkenntlichkeit – auch weil seine Person und insbesondere seine Gedichte eng mit der ukrainischen Idee und dem Erwachen eines unabhängigen Nationalbewusstseins verbunden waren. In seinen Texten, die in der Nähe zum gesungenen Volkslied entstehen, wird die Ukraine zu einem Ort der Sehnsucht.

„Stille Welt, du süße Heimat, / Meine Ukraine!“, heißt es in einem Gedicht von 1843. Und vier Jahre später schreibt er aus der Festung Orsk, einer Station seiner Verbannung, die folgenden Verse: „… ach, könnt’ ich zur Ukraine / In einen nachtdunklen Garten fliegen.“ Schewtschenko verstand es wie kein Zweiter, das gesprochene, lebendige Wort in seinen Texten zum Klingen zu bringen. Das ins Deutsche zu retten, ist ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Einige Gedichte werden in verschiedenen Übersetzungen präsentiert; im Abgleich der Versionen entfaltet sich so erst eine Ahnung vom Reichtum des Originals.

Mykola Chwylowyj wurde drei Jahrzehnte nach Schewtschenkos Tod geboren. Er gehörte der Generation der sogenannten „Erschossenen Wiedergeburt“ an – damit sind jene Künstlerinnen und Künstler gemeint, die unter Stalin unterdrückt, gefoltert oder ermordet wurden. Sein kurzes Leben steht fast sinnbildlich für eine Epoche, in der, wie es Alla Paslawska in ihrem Vorwort schreibt, der „Traum einer kulturellen Selbstbehauptung der Ukraine inmitten revolutionärer Umbrüche“ unter sowjetischer Repression zerrieben wurde. Chwylowyj ist einer der bedeutendsten Autoren der ukrainischen Moderne. Sein Schreiben war geprägt durch eine Abwendung von der russischen Sprache und eine Hinwendung zu einem weltoffenen Europa. Es nahm Einflüsse des französischen Symbolismus und der deutschen Romantik in sich auf.

Weitere Eintrittsinformationen

ab 18 Jahren

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Café Europa  (Halle 4, E401)