Eine Filmübersetzerin und eine Dialogbuchautorin geben Einblicke in ihre Arbeit.
Beschreibung
Seit es den Film gibt, muss man ihn auch irgendwie übersetzen, wenn man möchte, dass Menschen in anderen Ländern ihn verstehen können. Seit etwa 90 Jahren werden Filme synchronisiert. Deutschland ist – neben beispielsweise Frankreich, Italien, oder Spanien – eins der klassischen Synchronländer. Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit, durch die wachsende Internationalisierung bei der Produktion und die weltweite Verbreitung von Streaming-Plattformen, wächst auch in der angelsächsischen Welt das Interesse an dieser Form der audiovisuellen Übersetzung. Was passiert mit meinem Film, meiner Serie, wenn sie in andere Länder "lokalisiert" wird? Selbst in den klassischen Sychronländern ist und bleibt die Synchronisation unsichtbar. Und das ist gut so – je weniger man eine Synchronisation bemerkt, desto besser ist sie wahrscheinlich auch. Gleichzeitig sind alle Filmproduzenten weltweit auf die Übersetzungen des Auslands angewiesen, denn ohne das Einkommen aus dem internationalen Verleih kann man so gut wie kein Budget realisieren. Ohne Übersetzung keine Welterfolge. Die Branche ist also unsichtbar, aber bei weitem nicht unwichtig. Dass es Schauspieler*innen, Sprecher*innen gibt, die den Originalen ihre Stimme "leihen", ist den meisten bewusst. Dass aber die Erstellung der deutschen Fassung ein mehrschrittiger, in einen komplexen Workflow eingebundener Prozess ist – überdies in Deutschland noch meistens zweigeteilt – das wissen die wenigsten, selbst diejenigen nicht, die selbst professionell übersetzen. Bis eine fertige Synchronfassung über die Leinwand flimmert, haben viele Gewerke – Schnitt, Ton, Regie, Aufnahmeleitung, Schauspiel – teils sehr spezialisierte Arbeit geleistet. Im Herzen des Prozesses stehen die Übersetzung des Originaldialogs ins Deutsche und die Erstellung des deutschen "Dialogbuchs". Dieses Buch ist die Grundlage für die Arbeit im Atelier, und als solches muss es möglichst präzise sein und gleichzeitig den Schauspieler*innen Luft zum Atmen und Spielen lassen. Das Dialogbuch ist aber auch eine Brücke zwischen zwei Welten, der des Originals und der des deutschen Publikums. Andrea Kirchhartz (Filmübersetzerin) und Änne Troester (Dialogbuchautorin), beide schon lange in der Branche unterwegs, sprechen mit der Literaturübersetzerin Stefanie Ochel darüber, wie eine solche Synchronfassung entsteht. Wie sieht ihre Arbeit aus, worauf achten sie besonders, was ist Übersetzung, was ist Adaption, und welche Stolpersteine gibt es bei dieser ganz besonderen Form der Übersetzungsarbeit, die sich nicht allein auf einen geschriebenen Text bezieht, sondern die immer auch, im Falle des Dialogbuchs im wortwörtlichen Sinne, ein Bild im Auge behalten werden muss.