05.02.2026 Leipziger Buchmesse

Zwischen Aufbruch und Überforderung: Debütromane einer suchenden Generation

Oft, wenn Menschen zum ersten Mal ein Buch schreiben, erzählen sie auch von der großen ersten Suche – sei es nach Anerkennung, Orientierung, Liebe, Halt und einem Platz im echten Leben. Aus dem alltäglichen Drama überfordernder Familien, prekärer Jobs, Liebeskummer und dem Drang, endlich gehört zu werden, entsteht eine starke Literatur, die ein Gefühl vermittelt, das viele kennen: immer noch unterwegs zu sein, ohne zu wissen, wohin – und trotzdem weiterzugehen.

Was bedeutet es heute, erwachsen zu werden? Diese Frage steht im Zentrum mehrerer Debüts, aus denen bei Leipzig liest vom 19. bis 22.03. gelesen werden wird. Die neuen Autor:innen richten ihren Blick auf junge Menschen, die zwischen Erwartungen, Selbstzweifeln und Aufbruch stehen und deren Geschichten um erste Brüche und Entscheidungen kreisen, um das Ringen um Identität – und um das Gefühl, dass nichts wirklich sicher ist, außer die Sehnsucht nach einem eigenen Weg.

In „Zum ersten Mal“ (kiwi space, 12.03.26) von Gesine Demes und Annika Prigge geht es um die leisen und lauten Momente des Anfangs, die prägen und verunsichern: erste Nähe, erste Verluste, erste Male. Julia Bährs Buch „Hustle“ (pola, 26.09.25) rückt dagegen mit viel schwarzem Humor die Arbeitswelt in den Fokus und erzählt von Leistungsdruck, Selbstausbeutung und dem Versprechen, dass sich Anstrengung irgendwann auszahlt – oder eben nicht.

Wie es ist, Papa-Kind ohne Papa zu sein, davon erzählt Parshad Esmaeli in ihrem Debüt „Papa weg. Mama müde. Ich laut.“ (Knaur, 02.03.26). Sie nimmt uns mit in ihre Familie, in der die Frauen zu „Expertinnen der Einsamkeit“ werden, während sie ihre Überforderung, Wut und den Wunsch nach Aufmerksamkeit in guten Noten und noch besserer Laune verstecken. Vom sich und anderen etwas Vormachen handelt auch „Bestie“ (pola, 12.08.25), das erste Buch von Joana June. Ihr Roman zeigt, wie es sich anfühlt, wenn das Leben zur „Story“ verkommt, wenn immer alles „upgeloaded“ werden und gut aussehen muss und kein Moment ohne „Selfie“ verstreichen darf.

Julia Bährs (Copyright: Angelika Zinzow)
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