24.03.2026 Leipziger Buchmesse

Strom der Geschichten: Spannende literarische Einblicke entlang der Donau

Sie fließt durch Wien, Budapest und Belgrad, verbindet zehn Länder, vereint eine bewegte Vergangenheit – und trägt dabei jede Menge Geschichten mit sich. Vier Tage lang konnten die Messebesucher:innen beim Fokusthema „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ in eine Region eintauchen, die so vielschichtig wie spannend ist. Das Publikum war begeistert, der Andrang vor der Donaubühne groß.

In rund 87 Veranstaltungen, 33 davon auf der Donaubühne in Halle 4, ließen Autor:innen aus dem Donauraum eine Region lebendig werden, die Europa und seine Menschen bis heute prägt. Schon die Standeröffnung zeigte: Das diesjährige Fokusthema zog die Gäste an. Viele brachten reichlich Kenntnisse über die Region mit, wie das Donau-Quiz zum Auftakt bewies, bei dem man mit richtigen Antworten eine der Neuerscheinungen gewinnen konnte.

Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse, brachte auf den Punkt, warum die Donauregion literarisch so faszinierend ist: „In den Ländern, die die Donau durchfließt, haben sich im Laufe der Jahrhunderte politische Systeme, Landesgrenzen und sogar Landessprachen geändert. Brüche waren und sind Normalität, Identitäten wurden neu definiert. Davon handeln viele Bücher unseres Fokusthemas. Sie zeigen, wie inspirierend Literatur sein kann, wie kraftvoll sie Verständnis schaffen kann.“ Christina Beinhoff, Leiterin Kultur und Gesellschaft im Auswärtigen Amt, ergänzte den politischen Blick: „Ein friedliches Zusammenleben in Europa kann nur gelingen, wenn wir im Gespräch bleiben, trotz aller Unterschiede und gerade in Zeiten, in denen es einfacher wäre, sich abzuwenden. Literatur ist dafür ein besonders wirksames Mittel. Denn Gesellschaften, die miteinander lesen, sind schwerer zu spalten.“

Wie man etwa nach einer Kriegskatastrophe weiterleben kann, diskutierten der serbische Autor Marko Dinić, dessen „Buch der Gesichter“ (Zsolnay) für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert war, und die kosovarische Lyrikerin Blerina Rogova auf Donaubühne. Rogava berichtete, dass es nach dem Kosovo-Krieg eine große Ablehnung des Erinnerns gegeben habe. Erst mit der Zeit sei das Bedürfnis gewachsen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Für Dinić ist hier die Literatur gefragt: „Als Autor schreibt man gegen das Vergessen an. Es ist kleiner Beitrag, um die Leute aufzuwecken, die unter kollektiver Amnesie leiden.“

Die Vergangenheit verstehen, um eine bessere Zukunft zu gestalten, darum ging es auch im Gespräch zwischen Ena Katarina Haler, die mit ihrem neuen Roman „Die Schuldlosen“ (folio) auf die Buchmesse kam, und Bojan Krivokapic (zuletzt „Villa Fazanka“, eta). Die Kroatin und der Serbe schreiben beide über Grenzregionen, verwundete Landschaften, zerstörte Häuser – und über Menschen, die Verlust erfahren haben und auf der Suche sind. „Hier hilft Literatur, Empathie zu schaffen und Wunden zu schließen", sagte Haler.

Von Kriegserfahrungen über Flucht und Identität bis zur Donau als Lebensraum: Die Donaubühne spannte einen Bogen, der weit über die Ufer des Flusses hinausreichte, und zog das Publikum in Geschichten, die nur darauf warten, gehört zu werden – und vielleicht auch von ihnen zu lernen.

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