17.02.2026 Leipziger Buchmesse

Plädoyers für den Widerstand gegen das Schweigen

Mit mehr als 2.800 Kilometern verbindet die Donau, einer der prägendsten Flüsse Europas, Regionen, Kulturen und politische Räume – und macht zugleich Brüche, Konflikte und Machtverschiebungen sichtbar. Unter dem Motto „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ widmet sich die Buchmesse 2026 mit rund 24 Veranstaltungen auf einer eigenen Bühne der literarischen Vielfalt der Donauländer. Im Rahmen des Fokusthemas erzählen die Autor:innen von historischen Zäsuren und aktuellen Spannungen, von Hoffnung, Gewalt und Identität im Wandel.

Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 brachte auch im Donauraum einen kurzen Moment der Euphorie. Doch neue Grenzen folgten schnell. Wie bewahrt man in solch einer verwüsteten Welt seine seelische Unversehrtheit? Wie baut man auf den Ruinen der Väter eine Zukunft auf? Davon erzählen zum Beispiel Ena Katerina Haler in „Die Schuldlosen“ und Bojan Krivokapić in „Villa Fazanka“. In ihrem Roman „Uppercut“ lässt Maja Iskra die Protagonistin ins Belgrad der 1990er-Jahre zurückkehren – in Erinnerungen an eine Kindheit in einer von Gewalt geprägten Stadt, in der das Leben nicht nur auf der Straße und der Schule, sondern auch zuhause hart und brutal ist und in der sich auch die Mädchen prügeln.

Auch gegenwärtig bleibt der Donauraum ein politisches Spannungsfeld. Muri Daridas Debüt „King Cobra“ erzählt mit Humor, Zärtlichkeit und Wut vom Widerstand gegen das Schweigen und macht Minderheiten als Gradmesser gesellschaftlicher Freiheit sichtbar. Michal Hvorecký formuliert mit seinem autobiografischen Buch „Dissident“ einen leidenschaftlichen Appell gegen den Rechtsruck und verfolgt entlang seiner eigenen Geschichte den Weg Europas vom Fall des Eisernen Vorhangs bis zur Rückkehr autoritärer Ideologien.

Aktuelle Umbrüche prägen die gesamte Region: Proteste in Serbien, politische Entscheidungen in Ungarn, eine Ukraine im Abwehrkampf, Moldau zwischen europäischer Hoffnung und russischer Destabilisierung. Der Moldauer Iulian Ciocan begegnet dieser bedrückenden Realität in „Die Königin der Kelche“ mit schwarzem Humor – als literarische Gegenwehr gegen Korruption, Propaganda und Angst.

Das Fokusthema findet an allen Messetagen in Halle 4 auf einer eigenen Bühne statt. Das Programm mit allen Autor:innen wird am 19. Februar veröffentlicht.

Muri Daridas (Copyright: Dorottya Marton)
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