Mit erzählerischem Tiefgang und feinem Blick fürs Zwischenmenschliche
Wie prägt uns unser Umfeld? Welche Spuren hinterlässt die Vergangenheit? Und wie gelingt es, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben? Fünf Neuerscheinungen aus der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur versuchen ihre eigenen Antworten auf diese und andere existenziellen Fragen in Form guter Geschichten.
In seinem neuen Roman „Einatmen. Ausatmen.“ (Kiepenheuer & Witsch, 12.03.26) schickt Maxim Leo eine gefühlsresistente Spitzenmanagerin in ein Achtsamkeitstraining, in dem sich nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihr Blick auf das Leben verändert – zwischen Coaching, unerwarteten Begegnungen und der Suche nach echtem Sinn. Norbert Gstreins Protagonist in seinem Roman „Im ersten Licht“ (Hanser, 17.02.26) blickt wiederum bereits auf ein ganzes Leben zurück – auf über achtzig Jahre, die von den Kriegen des 20. Jahrhunderts geformt werden, und von Liebe, Verlust und vielen offenen Fragen geprägt sind. Familie in all ihren Facetten ist das große Thema von Lena Goreliks Roman „Alle meine Mütter“ (Rowohlt, 13.03.26). Sie erkundet die prägende, oft widersprüchliche Beziehung zu den Müttern – wie sie uns formen, trösten, begleiten und manchmal auch blockieren, und was es bedeutet, selbst Mutter, Tochter oder beides zugleich zu sein. Peggy Mädler lotet in „Selbstregulierung des Herzens“ (Galiani Berlin, 12.02.26) aus, wie Menschen ihre Gefühle neu strukturieren und sich selbst wiederfinden können, wenn die gesellschaftlichen Veränderungen um sie herum dies notwendig machen. Das Buch entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wieder vereinigten Deutschland und beschreibt Zustände zwischen Halt und Auflösung, Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz. Der neue Roman von Elias Hirschl, „Schleifen“ (Zsolnay, 27.01.26), richtet seinen Fokus auf die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben. Er erzählt die Geschichte von Franziska, die im Umfeld des Wiener Kreises aufwächst und als Kind an einer seltsamen Krankheit leidet: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. Gemeinsam mit einem genialen Mathematiker lernt sie, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren und widmet ihr Leben fortan der Sprachforschung.