19.02.2026 Leipziger Buchmesse

Geschichten über mutige Frauen, gebrochene Versprechen und alte Reiche

Norwegische Autor:innen sind sehr beliebt bei deutschen Leser:innen. Mit vielen Übersetzungen und starken Verkaufszahlen gilt Deutschland als wichtigster Auslandmarkt außerhalb Skandinaviens. Auch 2026 sind die Norweger:innen wieder auf der Buchmesse und bei Leipzig liest zu Gast. Sie nehmen uns mit in ihre skandinavische Heimat, lassen uns an den inneren Dramen ihrer Protagonist:innen teilhaben und uns in die norwegische Identität, Natur und die Konflikte der dort lebenden Menschen eintauchen.

So begleiten wir zum Beispiel die norwegisch-samische Autorin Kathrine Nedrejord in ihrem Buch „Acht Jahreszeiten“ (Eichborn, 31.10.25) bei einer Familienspurensuche. Die 1987 in der Finnmark geborene Autorin, die seit langem in Paris lebt, erzählt darin von der Geschichte der Sami, deren Lebensraum in Norwegen immer mehr eingeschränkt wurde und die bis in die 1960er-Jahre weitgehend unsichtbar gemacht wurden. Ihr packender, engagierter Roman sorgte für Diskussionen über den Kolonialismus und den Umgang mit Minderheiten und war in Norwegen ein großer Erfolg. Dank der Übersetzung von Stefan Pluschkat kann er dies jetzt auch auf dem deutschsprachigen Markt werden.

Frode Grytten lebt als Schriftsteller und Journalist im norwegischen Bergen. Für „Was im Leben zählt“ erhielt er 1999 den Brageprisen, den höchst dotierten Literaturpreis in Norwegen. Nach einer zehnjährigen Schreibpause erschien 2023 sein neues Buch, das wir jetzt unter dem Titel „Der letzte Tag des Fährmanns“ (Penguin, 05.11.25) durch Ina Kronenbergers Übersetzung auf Deutsch genießen können. Der elegische Abgesang des Fährmanns Nils Vik, der ein letztes Mal durch die Fjorde fährt und sein Leben Revue passieren lässt, ist eine mit sanftem Ton, warmem Humor und großer Klarheit gestaltete Erzählung von der großen Liebe und dem Glück des einfachen Lebens

Brit Bildøen gilt als eine der erfolgreichsten norwegischen Autor:innen. Ihre Romane wurden für den renommierten Brage-Preis nominiert und waren auf der Longlist für den Dublin International Literature Award. Mit „Das Unwetter“ (btb, 14.01.26) wird sie erstmals für ein größeres Publikum in Deutschland erlebbar. Ihr psychologischer Roman wurde von Frank Zuber übersetzt und spielt in einem abgelegenen Hotel in den norwegischen Bergen – der perfekten Krimilocation. Dort wird die norwegische Einsamkeit schnell zum klaustrophobischen Albtraum, der zeigt, wie hinter bürgerlichen Fassaden eine gefährliche Mischung aus Wut, Rache und Verrat lauern kann.

Sigrid Undset, 1882 im dänischen Kalundborg geboren und eine der ganz großen Autorinnen Norwegens, erhielt 1928 den Nobelpreis für Literatur für ihren dreibändigen Roman „Kristin Lavranstochter“. Die Schwedische Akademie zeichnete sie damals unter anderem „für Ihre mächtigen Schilderungen aus dem mittelalterlichen Leben des skandinavischen Nordens“ aus, wie es in der Begründung hieß. Auch ihr folgender, vierteiliger Roman „Olav Audunssohn“, ein dramatisch-poetisches Mittelalterbild voller Sippenkonflikte und religiöser Tiefe, war bei Kritik und Leser:innen erfolgreich. In der Übersetzung von Gabriele Haefs (Alfred Kröner, 23.09.25) erhält Band 1 jetzt neuen Glanz und neue Aufmerksamkeit.

Zum Programm mit allen Autor:innen

Kathrine Nedrejord (Copyright: Fartein Rudjord)
Zurück zu allen Meldungen