11.03.2026 Leipziger Buchmesse

Fokusthema Donau: Wasserlinien – Lebens(t)räume

Die rund 85 Buchpräsentationen, Gespräche, Podiumsdiskussionen und weitere Formate des Fokusthemas „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ in Halle 4 sind gegliedert in vier Themenschwerpunkte: „Zwischen Brücke und Grenze“, „Kulturen, Konflikte, Kräfte – Identität im Wandel“, „Wasserlinien – Lebens(t)räume“ und „Zeit & Wandel – Strom der Geschichte“.

Die Donau als Migrationsroute ist einer der vier Schwerpunkte des Fokusthemas. Dieser Aspekt prägt die Donau-Literatur auf vielfältige Weise, ob in Form von Flucht, Arbeitsmigration oder Rückkehr in die alte Heimat. Seit Jahrhunderten kamen und kommen über die Donau Menschen an, reisen entlang des Flusses oder über ihn hinweg. Sie folgen Hoffnungen auf ein besseres Leben und lassen ein anderes zurück. Der Fluss markiert dabei Übergänge: zwischen Vorher und Nachher, Alt und Neu, Arm und Reich.

Dimitré Dinev thematisiert diese Ambivalenz in seinem Buch „Zeit der Mutigen“ (Kein & Aber, 08.09.25). In seinem 1200-Seiten starken Roman geht es um die zentralen Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Die Donau steht dabei oft im Mittelpunkt − und ist selbst ein umkämpfter Raum. Über weite Strecken wurde sie reguliert, gestaut und technisch gebändigt, Landschaften wurden verändert, Dörfer und Inseln verschwanden. Erst wenn der Fluss über die Ufer tritt, wird seine eigene Kraft sichtbar. Der Naturfotograf Dr. Christoph Robiller zeigt in seinen Bildern die Schönheit des Donaudeltas und der Steppen der Dobrudscha. Dan Ivan hat als Arzt in Meile 23, einer kleinen Ortschaft im Donaudelta, Fischer, Schmuggler und Trinker behandelt. In seinem gleichnamigen Debut „Meile 23“ (Dittrich, 31.03.26), erzählt er von einer faszinierenden Landschaft, die eine eigene Welt ist – ein Bermuda-Dreieck, in dem die rumänischen Kommunisten Unliebsame gleichsam verschwinden ließen.

Die bulgarische Autorin Donka Dimova lässt in ihrem Prosagedicht die Lebensträume und Hoffnungen von Migrant:innen lebendig werden, die in einem Mehrfamilienhaus an der Weser gestrandet sind. Dass sie aus der Poetry-Slam Szene kommt, merkt man dem Text an: Er pulsiert, eignet sich zum Rappen wie zum Laut-Lesen. Im Rhythmus des Einatmens und Ausatmens erzählt Ulrike Almut Sandig in ihrem Buch „Im Orkan“ (Schöffling, 18.02.26) von Wolnopol, einer fiktiven Küstenstadt in der Ukraine. Dort lebt Protagonist Maksym, ein Drogendealer „mit Potential“. Der dystopische Text spielt vor einer futuristischen Kulisse, in der Holo-Wände, Augenscanner und Drogen in der Bindehaut zum Alltag gehören. Im Donauraum leben seit Jahrhunderten auch die Roma, allerdings in einer Zwischenwelt, verfolgt, ausgegrenzt und gefeiert. Sie gehören dazu und doch nicht. Sie wandern und sind zur Sesshaftigkeit gezwungen. Madeline Potter („Die Roma“, Ullstein, 12.3.26) ist eine Kalderasch aus Rumänien und lehrt heute in Edinburgh Literatur. Sie erzählt von den Traumata, den Diskriminierungen, aber auch der Lebensfreude und den weltumspannenden Verbindungen der Roma.

Für eine moderne Facette sorgt der Augsburger Comic-Autor Christian Schmiedbauer mit seiner Graphic Novel „Menschen am Fluss“ (Volk, 08.05.26). Im Jahr 2000 hat er sich aufgemacht, die gesamte Donau entlang des Flusslaufs zu bereisen – von der Donauquelle im Schwarzwald bis zum Donaudelta am Schwarzen Meer. Einen Sommer dauert sein abenteuerliche Backpacker-Trip, doch je weiter er auf seiner Reise nach Osten vorstößt, desto größer werden die Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen.

Madeline Potter (Copyright: Matt Potter)
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