06.03.2026 Leipziger Buchmesse

Literatur im Ausnahmezustand

Ukrainische Stimmen auf der Leipziger Buchmesse: Zwischen Widerstand Verantwortung und Zukunft

Seit über vier Jahren prägt der Krieg das Leben in der Ukraine. Welche Spuren hinterlässt er in Sprache, Erinnerung und Alltag? Wie schreibt man gegen das Vergessen an – und bewahrt die Hoffnung auf Freiheit? Das Ukraine-Programm der Leipziger Buchmesse versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden. In über 20 Veranstaltungen sprechen Autor:innen, Historiker:innen und Künstler:innen über Kriegserfahrungen, Erinnerungskultur, Sprachverlust, Identität und europäische Verflechtungen – getragen von starken weiblichen Stimmen, die an einer stillen Front kämpfen, um das Leben aufrechtzuerhalten.

Vom 19. bis 22. März bieten am Stand der Ukraine in Halle 4 (Stand D311) Lesungen, Gespräche und szenische Formate vielstimmige Einblicke in die aktuelle ukrainische Literatur. Das eindrucksvolle wie eindringliche Programm wird am 19. März zur feierlichen Standeröffnung vorgestellt. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), wird den Stand eröffnen.

Der diesjährige Auftritt der Ukraine ist das Ergebnis eines starken Netzwerks engagierter Partner. Der Standbau wurde durch die Förderung des BKM ermöglicht. Das Programm wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) gefördert sowie vom Goethe-Institut Ukraine, dem Ukrainischen Institut, dem Ukrainischen Buchinstitut und dem Mystetskyi Arsenal gefördert und mitgestaltet. Die Leipziger Buchmesse hat den Rahmen für diese Präsenz geschaffen und stellt die Standfläche zur Verfügung.

Mit Wolodymyr Jermolenko kommt am 19. März eine der markantesten intellektuellen Stimmen der Ukraine nach Leipzig. Der Philosoph spricht über seinen neuesten Essayband „Eine Kultur des Trotzdem“ (edition.fotoTAPETA), über Freiheit und Selbstbehauptung – und darüber, wie die Ukraine nicht nur um ihr eigenes Überleben kämpft, sondern auch Europas demokratische Idee verteidigt.

Zwischen politischer Klarheit und feinem Humor bewegt sich die Autorin Evheniia Kuznetsova: in der Diskussion über Hass und Rechtsextremismus ebenso wie in ihrem Buch „Cooking in Sorrow“, einem sowohl ironischen als auch liebevollen Blick auf die ukrainische Kultur durch die Küche. Von ihr kann das Messepublikum am 19. März lernen, wie die Ukrainer:innen selbst in der größten Not lachen und aus allem, was verfügbar ist, köstliche Speisen zubereiten.

Tamara Hundorova, eine der wichtigsten Literaturwissenschaftlerinnen der Ukraine, rückt am 20. März Frauen in den Mittelpunkt, die Tradition und Kanon herausforderten und die kulturelle Moderne der Ukraine prägten. In ihrem Beitrag „Frauen in der Literatur“ stellt sie Schriftstellerinnen wie Lesja Ukrajinka und Sofija Jablonska vor, die Literatur und Gesellschaft nachhaltig verändert haben.

Zwei Historiker werfen am 21. März einen neuen Blick auf deutsch-ukrainische Verflechtungen und ihre Bedeutung für die Gegenwart: Serhy Yekelchyk eröffnet mit „Ukrainische Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg“ (De Gruyter) neue Perspektiven auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und zeigt, wie Erinnerung in der Ukraine heute neu – als Teil eines europäischen Gesprächs über Demokratie und Verantwortung – gedacht wird. Martin Schulze Wessel beleuchtet in „Die übersehene Nation“ (C.H. Beck) die gemeinsame Geschichte seit dem 19. Jahrhundert.

Iryna Fingerova ist am 22. März im Rahmen des Ukraine-Programms zu Gast auf der Leipziger Buchmesse und stellt ihren Roman „Zugwind“ (Rowohlt) vor. Darin erzählt sie die Geschichte einer jungen ukrainischen Hausärztin in Deutschland, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät, als in ihrer Heimat Bomben fallen. Zwischen Praxisalltag, Schuldgefühlen und zerrissener Identität versucht Mira, Halt zu finden – für sich und für die vielen ukrainischen Patient:innen, die bei ihr Trost suchen.

Wie ergeht es Kindern im Krieg? Wie können Worte sie beschützen, wenn die Welt bebt? Damit die Angst nicht das letzte Wort hat, müssen auch Themen wie Krieg, Veränderungen im Alltag oder in der Familie offen mit Kindern besprochen werden. Doch wie ist man ehrlich, ohne zu überfordern, und wie können Medien, Literatur und Bilder helfen, Orientierung, Halt und Vertrauen zu geben? Darüber sprechen am 22. März Viktoria Murovana, Chefredakteurin und Produzentin für Kinderinhalte des ukrainischen Senders Suspilne, die Kinderbuchautorin Katia Mikhalitsyna, Julia Kozlovetz, Koordinatorin des International Book Arsenal Festival in Kyjiw, und die Übersetzerin Claudia Dathe.

Eine Übersicht aller Veranstaltungen am Ukraine-Stand bietet das Programm der Leipziger Buchmesse . Die Leipziger Buchmesse findet vom 19. bis 22. März 2026 statt. Tickets sind im Online-Ticketshop erhältlich.

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Felix Wisotzki
Portraitfotografie Felix Wisotzki
Pressesprecher
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