Ukrainische Stimmen auf der Leipziger Buchmesse: Zwischen Widerstand Verantwortung und Zukunft
Wie schreibt, liest und lebt man im Ausnahmezustand, wenn er zum Alltag wird? Am Stand der Ukraine in Halle 4 (D311) sprechen Stimmen wie Wolodymyr Jermolenko, Evheniia Kuznetsova oder Tamara Hundorova darüber. Sie sind Teil der mehr als 25 Veranstaltungen, in denen ukrainische Autor:innen, Historiker:innen und Künstler:innen Kriegserfahrungen, Erinnerungskultur, Sprachverlust, Identität und europäische Verflechtungen für das Publikum der Leipziger Buchmesse sichtbar machen.
Vom 19. bis 22. März bieten am Stand der Ukraine in Halle 4 (Stand D311) Lesungen, Gespräche und szenische Formate vielstimmige Einblicke in die aktuelle ukrainische Literatur. Das eindrucksvolle wie eindringliche Programm wird am 19. März während der feierlichen Standeröffnung durch Wolfram Weimer, Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), vorgestellt.
Mit Wolodymyr Jermolenko kommt eine der markantesten intellektuellen Stimmen der Ukraine nach Leipzig. Der Philosoph spricht über seinen neuesten Essayband „Eine Kultur des Trotzdem“ (edition.fotoTAPETA). Gleich zwei Historiker werfen am Ukraine Stand einen neuen Blick auf deutsch-ukrainische Verflechtungen und ihre Bedeutung für die Gegenwart: Serhy Yekelchyk mit seinem Werk „Ukrainische Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg“ (De Gruyter) und Martin Schulze Wessel mit „Die übersehene Nation“ (C.H. Beck).
Zwischen politischer Klarheit und feinem Humor bewegt sich die Autorin Evheniia Kuznetsova in der Diskussion über Hass und Rechtsextremismus ebenso wie in ihrem Buch „Cooking in Sorrow“, einem sowohl ironischen als auch liebevollen Blick auf die ukrainische Kultur durch die Küche. Tamara Hundorova, eine der wichtigsten Literaturwissenschaftlerinnen der Ukraine, stellt in ihrem Beitrag „Frauen in der Literatur Schriftstellerinnen wie Lesja Ukrajinka und Sofija Jablonska vor, die Literatur und Gesellschaft nachhaltig verändert haben. Iryna Fingerova ist ebenfalls im Rahmen des Ukraine-Programms zu Gast und präsentiert ihren Roman „Zugwind“ (Rowohlt) − die Geschichte einer jungen ukrainischen Hausärztin in Deutschland, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät, als in ihrer Heimat Bomben fallen.
Wie ergeht es Kindern im Krieg? Wie können Worte sie beschützen, wenn die Welt bebt? Damit die Angst nicht das letzte Wort hat, müssen auch Themen wie Krieg, Veränderungen im Alltag oder in der Familie offen mit Kindern besprochen werden. Doch wie ist man ehrlich, ohne zu überfordern, und wie können Medien, Literatur und Bilder helfen, Orientierung, Halt und Vertrauen zu geben? Darüber sprechen am 22. März Viktoria Murovana, Chefredakteurin und Produzentin für Kinderinhalte des ukrainischen Senders Suspilne, die Kinderbuchautorin Katia Mikhalitsyna, Julia Kozlovetz, Koordinatorin des International Book Arsenal Festival in Kyjiw, und die Übersetzerin Claudia Dathe.
Das Programm mit allen Veranstaltungen und Terminen ist online einsehbar.