Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Er wird seit 1994 jährlich vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Preis wurde am 20. März 2024 im Gewandhaus zu Leipzig vergeben.

Portraitfotografie von Omri Boehm vor schwarzem Hintergrund. Er trägt einen schwarzen Anzug mit weißem, aufgeknöpften Hemd und blickt mit einem angedeuteten Lächeln zur Seite.
Omri Boehm (Quelle: © Marzena Skubatz)

Omri Boehm erhält den Leipziger Buchpreis zur Eurpäischen Verständigung 2024

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2024 wurde dem deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm für sein Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“ verliehen. Das Buch ist im September 2022 im Propyläen Verlag erschienen. Der Text wurde aus dem Englischen von Michael Adrian übersetzt.

Ein schwarz-weiß Portrait von Eva Illouz. Sie steht mit verschränkten Armen an eine Wand gelehnt im Freien und lächelt in die Kamera.
Eva Illouz (Quelle: © James Startt)

Die Laudatio hielt die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz.

Begründung der Jury

Der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung 2024 geht an den israelisch-deutschen Philosophen Omri Boehm für die Konsequenz, mit der er den Kern des humanistischen Universalismus, die Verpflichtung zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, gegen jegliche Relativierung verteidigt. In seinem jüngsten Buch Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität (2022) tritt Boehm den ideologischen Verhärtungen der Gegenwart entschieden entgegen, nimmt Immanuel Kants Definition von Aufklärung als ,Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ beim Wort und unterzieht den westlichen Liberalismus, vor allem aber das Denken in Identitäten, die sich absolut setzen, einer kritischen Revision.

Boehm zufolge sind auch in modernen Gesellschaften letztgültige Wahrheiten unverzichtbar, um die Gleichheit und die Würde der Menschen unantastbar zu machen. Er scheut sich nicht, für den Universalismus metaphysische Begründungen zu fordern und findet sie im Brückenschlag zwischen der Philosophie Kants und dem Erbe der biblischen Propheten. In einer originellen Lektüre der hebräischen Bibel entdeckt er in Abraham, der den Widder statt seines Sohnes opfert, eine Figur des Ungehorsams. Indem Abraham gegen Gott auf der Idee der Gerechtigkeit beharrt, wird er zum Urbild des ethischen Monotheismus, den Kant in die Begriffe moderner Philosophie übersetzt. Omri Boehms Grundlegung des humanistischen Universalismus ist politisch relevant. Seine Bücher, darunter auch der Band Israel – eine Utopie (2020), sind zugleich Verteidigungsschriften und Herausforderungen liberaler Demokratien, indem sie die Verbindlichkeit des Universalismus einklagen.

Kritisch und fair: Die Jury

  • Dr. Maike Albath (Literaturkritikerin und Autorin)
  • Skadi Jennicke (Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig)
  • Michael Lemling (Geschäftsführer der Buchhandlung Lehmkuhl)
  • Dr. Lothar Müller (Literaturkritiker und Journalist)
  • Daniela Strigl (Essayistin, Kritikerin, Dozentin, Wien)

Die bisherigen Preisträger:

  • 2023: Maria Stepanova (Russland)
  • 2022: Karl-Markus Gauß (Österreich)
  • 2021: Johny Pitts (Großbritannien)
  • 2020: László Földényi (Ungarn)
  • 2019: Masha Gessen (USA)
  • 2018: Åsne Seierstad (Norwegen)
  • 2017: Mathias Énard (Frankreich)
  • 2016: Heinrich August Winkler (Deutschland)
  • 2015: Mircea Cărtărescu (Rumänien)
  • 2014: Pankaj Mishra (Indien)
  • 2013: Klaus-Michael Bogdal (Deutschland)
  • 2012: Ian Kershaw und Timothy Snyder (Großbritannien und USA)
  • 2011: Martin Pollack (Österreich)
  • 2010: György Dalos (Deutschland)
  • 2009: Karl Schlögel (Deutschland)
  • 2008: Geert Mak (Niederlande)
  • 2007: Gerd Koenen (Deutschland) und Michail Ryklin (Russland)
  • 2006: Juri Andruchowytsch (Ukraine)
  • 2005: Slavenka Drakulić (Kroatien), lebt in Stockholm, Wien und Sovinjak (Kroatien)
  • 2004: Dževad Karahasan (Bosnien-Herzegowina), lebt in Graz und Sarajevo
    (Anerkennungspreis: Gábor Csordás, Ungarn)
  • 2003: Hugo Claus (Belgien)
    (Anerkennungspreis: Barbara Antkowiak, Deutschland)
  • 2002: Bora Ćosić (Kroatien), lebt in Rovinj (Kroatien) und Berlin
    (Anerkennungspreis: Ludvik Kundera, Tschechien)
  • 2001: Claudio Magris (Italien)
    (Anerkennungspreis: Norbert Randow, Deutschland)
  • 2000: Hanna Krall (Polen)
    (Anerkennungspreis: Peter Urban, Deutschland)

Kontakt

Geschäftsstelle Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
c/o Stadt Leipzig Dezernat Kultur
Frau Karin Rolle-Bechler

Tel.: +49 341 123-4207
E-Mail: buchpreis@leipzig.de
Website: www.leipzig.de/buchpreis

Impressionen der Preisverleihung 2024