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    Nachricht vom 12.02.19 | Leipziger Buchmesse / Lesefest Leipzig liest

    PROGRAMM

    „The Years of Change 1989-1991. Mittel-, Ost- und Südosteuropa 30 Jahre danach“ – Ein Programmschwerpunkt der Bundeszentrale für politische Bildung und der Leipziger Buchmesse

    Falls nicht anders angegeben finden alle Veranstaltungen im Café Europa, Halle 4, Stand E 401 statt.

    DONNERSTAG, d. 21. März 2019

    12-13
    retroPERSPEKTIVE
    Rückblick auf 1989 und seine Auswirkungen

    1989 war eines dieser schicksalhaften Jahre des 20. Jahrhunderts in Zentraleuropa. Das Jahr der friedlichen Revolutionen und der Runden Tische, der Massenbewegungen im öffentlichen Raum und des Loslösens von der Unfreiheit in einem System, das einen individuellen Geist verachtete und freie Meinung unterdrückte, Rechte beschnitt oder sie sogar mit Gewalt zerstörte. 30 Jahre danach scheinen die Geister der Vergangenheit auferstanden zu sein. An der Macht sind vielerorts Verächter der Freiheit, die den Nationalstaat verherrlichen und eine Vergangenheit heraufbeschwören, die eine imaginierte Stärke und Exklusivität bietet. Was ist geschehen? Haben wir verlernt, aus der Geschichte zu lernen?

    Eröffnungsdiskussion mit Marianne Birthler und Adam Michnik

    Moderation: Katharina Raabe

    13-14
    KLANG DES ABGRUNDS
    Über Abgründe der Macht und Musik

    Wie kann man leben, wenn man in die Abgründe der Macht, der Gewalt und des Krieges blickt, wenn Grenzen eines Raumes und Grenzen der Zeit nicht kompatibel sind, wenn der Raum neu strukturiert ist, die alte Zeit einen aber einholt. Diese Dissonanz zwischen Raum und Zeit führt bis hin zu körperlichen Unstimmigkeiten und Ausfällen, wie beim Protagonisten im Roman „Der Kadaverräumer“ von Zoltán Danyi. Wie lebt man, wenn der Körper mit der Umwelt verschmilzt, wenn vor allem Musik zum Fluch und Segen oder sogar zum Zwang wird wie im „Löwenchor“ des ungarischen Schriftstellers György Dragomán? Wir fragen nicht zuletzt, was mit einem Raum passiert, der von Nationalismus verführt ist und dessen Zukunft ungewiss erscheint.

    Lesung und Gespräch mit Zoltán Danyi und György Dragomán

    Moderation: Jörg Plath

    19-21
    DIE ZUKUNFT IST GESCHICHTE
    Ort: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig

    Über individuelle Schicksale schlägt Masha Gessen in ihrem preisgekrönten Buch „Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor“ (National Book Award for Nonfiction, Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2019) einen Bogen zur großen Geschichte. Mit scharfem analytischem Blick betrachtet sie den Wandel der russischen Gesellschaft und des politischen Systems von der Perestrojka-Zeit bis in die Gegenwart. Sie analysiert die Gründe, weshalb der Aufbau einer Demokratie in Russland gescheitert ist. Über ihr Buch spricht sie mit ihrem Laudator, dem Historiker Gerd Koenen.

    Gespräch mit Masha Gessen und Gerd Koenen.

    Kooperationspartner: bpb, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Suhrkamp Verlag und Stadt Leipzig.

    FREITAG, d. 22. März 2019

    12-13
    DIE WELT ALS SPRACHE
    Semantiken unseres Zeitgeistes

    Die Wende war Wegbereiterin für Demokratie, eine offene Gesellschaft und Meinungsfreiheit. Dies waren die Grundlagen eines gesellschaftlichen Konsens, Prinzipien, die nicht in Frage gestellt werden sollten, wie es schien. Doch 30 Jahre später ist die Rede von Erosion der Demokratie, die von einer Sprachlosigkeit und Beklemmung auf der einen Seite und von einer verbalen Aufrüstung auf der anderen Seite begleitet wird. Die Grenzen des Sagbaren werden verwischt. Durch die Sprache bahnen sich Angst, Wut und Hass einen Weg in die Realität hinein. Wie ist es dazu gekommen? Wie verändert sich unsere Sprache im Alltag und wie kann der Verklärung und Verdrehung des Wortes entgegengewirkt werden? Haben wir ein alternatives Vokabular, das sich der Destruktion widersetzt? Welche Aufgabe fällt den SchriftstellerInnen dabei zu?

    Gespräch mit Marcel Beyer, Durs Grünbein und Kerstin Preiwuß

    Moderation: Harald Asel

    13-14
    AM ENDE – EUROPA!
    Bedeutung Europas für Polen, Ungarn und Tschechien

    Das Urteil des ungarischen Philosophen Gaspar Tamas ist vernichtend: „Die friedlichen Revolutionen sind ganz und gar gescheitert.“ Die Zeiten der Aussöhnung in Europa scheinen vorbei zu sein. Autoritarismen befördern eine politische und gesellschaftliche Polarisierung. Woran liegt das? Ist Europa am Ende oder darf es dazu keine Alternative geben? Was bedeuten gegenwärtig noch die einstigen Postulate der Demokratie – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Wie kann man in einer Demokratie handlungsfähig bleiben? Wie lassen sich Erfahrungen der kollektiven Solidarität, aber auch Praktiken des Undergrounds und des Widerstands an die jüngeren Generationen weitergeben?

    Gespräch mit Piotr Buras, Gáspár Miklós Tamás und Jáchym Topol

    Moderation: Katharina Raabe

    SAMSTAG, d. 23. März 2019

    13-14
    LANGSTRECKENLÄUFER?
    Umgang der jüngeren Generationen mit den Herausforderungen der Zeit

    Revolutionen sind schnell und spontan. Transformationen brauchen einen langen Atem, beanspruchen Zeit und Energie und binden Ressourcen. Veränderungen werden nicht nur durch Zeitzeugen der Revolution getragen, sondern durch nachfolgende Generationen. Wie gehen jüngere Generationen mit dem Erbe von 1989 um? Welche Erfahrungen haben sie mit Europa der letzten Jahre gemacht? Wie betrachten sie gegenwärtig erodierende Demokratien und was können sie dagegen tun? Welche Paradigmen oder Visionen der Zukunft haben sie angesichts der Herausforderungen der neuen Realität?

    Gespräch mit Jaroslav Rudiš, Michał Sutowski und Kinga Tóth

    Moderation: Jenny Friedrich-Freksa

    16-17
    FREIE WORTWAHL
    Gegenwärtige Lage der Medien in Tschechien, Rumänien und der Slowakei

    Meinungsfreiheit ist eine der wichtigsten Errungenschaften nach 1989. Es entstanden freie Medien ohne ideologisches Diktat. Mit dem Erstarken von Nationalismen und Populismen in Zentraleuropa wächst auch der Druck auf Medien und Medienschaffende. Obwohl das digitale Zeitalter viele Freiheiten und neue Strategien, Instrumente und Methoden bietet, unabhängig, transparent und frei zu arbeiten, gelingt es den Autokraten, die Medienfreiheit einzuschränken und den Journalismus gleichzuschalten. Welche Strategien können diesen Prozessen entgegenwirken? Wie können Medien Vertrauen herstellen, ohne sich in den Dienst der Mächtigen zu begeben? Gibt es neue Netzwerke und kollaborative Praktiken in Europa, die zukunftsfähig sind?

    Gespräch mit Pavla Holcová, Paul Radu und Martin Šimečka

    Moderation: Gemma Pörzgen

    19-20.30
    DA-ZWISCHEN
    Identitäten und Erinnern in hybriden Räumen
    Ort: Schaubühne Lindenfels, Karl-Heine-Str. 50, 04229 Leipzig

    Der Herkunft kann man sich kaum entziehen. Auch nicht durch das Verlassen eines Raumes, in dem man geboren wurde. Was ist aber, wenn man das eine verliert und das andere noch kein Halt gibt, keine Orientierung. Was passiert, wenn Familie ein Ergebnis der Geschichtswirren ist, ein Produkt von Grenzverschiebungen, Macht- und Sprachwechseln und sich rasch verändernden Weltanschauungen. In den Romanen von Maria Stepanova („Nach dem Gedächtnis“) aus Russland und von Żanna Słoniowska („Das Licht der Frauen“) aus Polen geht es um fluide und fragile Identitäten, um Fragen nach Zugehörigkeit und dem Einfluss der Geschichte auf die Schicksale des Einzelnen in multikulturellen Schmelztiegeln. Wie geht man mit Selbstverleugnung und Anpassung um? Was machen das Recht auf Vergessen und das Recht auf Erinnern aus einer Person?

    Lesung und Gespräch mit Żanna Słoniowska und Maria Stepanova

    Moderation: Claudia Dathe

    21-22
    Konzert mit SUTARI (Polen)

    SUTARI – das sind drei starke Frauen, Temperamente und Stimmen. Zofia Barańska, Katarzyna Kapela und Barbara Songin sind Sängerinnen, Instrumentalistinnen, Schauspielerinnen und Performerinnen. Sie spielen auf Geigen, Trommeln, Weingläsern, Flaschen, Messern, Reiben und sogar mit Wasser.

    22-00
    DJ Session mit Katja Garmasch und Kompott-Team

    Die Party steht unter dem Motto, das dem Manifest des Kompott-Teams entstammt: „Es wird Zeit, dass man im Globalisierungs- und Europäisierungszeitalter seinen Geist öffnet, nicht nur Richtung Westen.“

    Für Konzeption und Durchführung des auf drei Jahre angelegten Programmschwerpunkts zeichnen die Mitarbeiterinnen Kateryna Stetsevych und Katarina Berg (Fachbereich Veranstaltungen, Bundeszentrale für politische Bildung) verantwortlich.

    Fotos sind auf Anfrage erhältlich.

    Pressekontakt

    Ruth Justen
    Pressesprecherin
    Programmschwerpunkt
    „The Years of Change 1989-1991”
    Stallbaumstraße 18
    04155 Leipzig
    +49 174 7831205
    ruth@justen-journalismus.de
    www.leipziger-buchmesse.de/theyearsofchange


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