27. - 30. März 2025 Leipziger Buchmesse
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Tschip

Eine Lesung mit dem Übersetzer Gerd Busse

18:00 - 19:00 Uhr Fr. 22. März
Veranstalter: GEV (Grenz-Echo-Verlag)

Kurzbeschreibung

Gerd Busse liest aus der deutschen Fassung des flämischen Klassikers von Willem Elsschot "Tschip".

Beschreibung

Würde man, wie in den Niederlanden, auch in Belgien von den „Großen Drei“ der zeitgenössischen nationalen Literatur sprechen, wäre der Flame Willem Elsschot – neben Georges Simenon und Hugo Claus – sicherlich der Dritte im Bunde. Von den dreien hätte er zwar das schmalste Œuvre – seine Gesammelten Werke umfassen nur elf Romane sowie knapp zwei Dutzend Gedichte und passen in einen 750 Seiten starken Band –, doch es ist mit Sicherheit das unterhaltsamste.
Willem Elsschot, geboren 1882 im flämischen Antwerpen, wo er 1960 auch starb, hieß eigentlich Alfons De Ridder und zählt zu den wichtigsten Autoren der zeitgenössischen niederländischsprachigen Literatur. Sein Beruf als erfolgreicher Werbetreibender brachte es mit sich, dass er das große Wort führen musste, doch als Autor war er keineswegs ein Freund langer Rede. Seine Romane zeichnen sich gerade durch ihre Kürze und eine nüchterne, ungekünstelte Sprache aus, die zugleich – eine Déformation professionnelle? – durch ihren hintergründigen Wortwitz glänzt. „Kaum ein niederländischer Schriftsteller hat so wenig geschrieben wie Willem Elsschot, doch kein niederländischer Schriftsteller hat so viele Meisterwerke hervorgebracht wie er“, schrieb der niederländische Literaturkritiker Guus Luijters einmal über ihn. Seine Romane gehörten „zum Besten, was in unserer Sprache geschrieben worden ist“ und seien darüber hinaus „keinerlei Verschleiß unterworfen“.
Die Werke Willem Elsschots sind stark autobiographisch gefärbt, bis hin zu den Namen seiner Protagonisten, und der hier präsentierte kleine Roman Tschip aus dem Jahr 1934 bildet davon keine Ausnahme. Stärker noch, er ist der wohl persönlichste, den er jemals geschrieben hat. Auch hier schlüpft Elsschot wieder in die Rolle des Antwerpener Kleinbürgers Frans Laarmans, der es diesmal mit den Hochzeitsplänen seiner Tochter Adele und deren polnischem Studienkollegen Bennek Maniewski zu tun bekommt. Allerlei Probleme stehen diesem Unterfangen jedoch im Weg: So müssen nicht nur die räumliche wie auch kulturelle Entfernung zwischen Polen und Belgien, sondern auch Standesunterschiede mühsam überbrückt – oder zumindest listig zugekleistert – werden. Und dann ist da auch noch die Religion: Ein polnischer Herz-Jesu-Katholizismus trifft auf seine belgische Laissez-faire-Variante, sodass Adele erst einmal getauft und im Schnellverfahren „nachgeschwärzt“ werden muss, um ihrem Bennek vor dem Altar die Hand zum Bund der Ehe reichen zu können. Und dabei kann schon mal so manches schiefgehen.
Doch ebenso lustig, wie sich das Krisenmanagement des Brautvaters Frans Laarmans ausnimmt – das bisweilen an das Treiben Steve Martins in der US-amerikanischen Filmkomödie Vater der Braut aus dem Jahr 1991 erinnert –, so bewegend ist es, den Qualen des Vaters zu folgen, der seine geliebte Tochter in die Hände eines dahergelaufenen Fremden geben muss, jedoch schließlich damit belohnt wird, seinen Enkelsohn im Arm halten und ihm die Welt zeigen zu dürfen.

Mitwirkende

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Sächsisches Psychiatriemuseum

Adresse Mainzerstr. 7 04109 Leipzig
Kontakt Website: https://www.psychiatriemuseum.de

Aussteller