27. - 30. März 2025 Leipziger Buchmesse
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Chronist des II. Weltkriegs, unbequemer Spötter und stilistischer Extremist

Wiederentdeckung eines italienischen Klassikers der Moderne mit der Neuübersetzung seines Hauptwerks Die Haut (Rowohlt 2024)

11:00 - 12:00 Uhr Do. 21. März
Veranstalter: Istituto Italiano di Cultura Italienisches Kulturinstitut Berlin

Kurzbeschreibung

Mit seiner hyperrealistischen und doch fantastisch barocken Erzählung schildert Curzio Malaparte in Die Haut den Einzug der alliierten Armeen im Oktober 1943 und kontrastiert deren Unschuld und Naivität mit der Verzweiflung und Korruption der besiegten Italiener in einem höllischen Neapel. Der Übersetzer Frank Heibert spricht über seinen work in progress an diesem schillernden Buch, das den Autor Malaparte nach seinem ersten Erfolgsroman Kaputt weltberühmt machte.

Beschreibung

Der vielseitige, unabhängige und umstrittene Curzio Malaparte (geboren als Kurt Erich Suckert, Prato 1898 - Rom 1957) durchschritt die politische und kulturelle Landschaft Italiens mit Leichtigkeit - von der Zugehörigkeit zum Faschismus, zum Antifaschismus, zum Pro-Kommunismus bis hin zu einer fragwürdigen endgültigen Konversion zum Katholizismus. Während des Zweiten Weltkriegs reiste er als Offizier und Korrespondent für den Corriere della sera mit den deutschen Truppen bis in die Ukraine, und stand, als er nach Italien zurückkehrte, auf der Seite der Alliierten. Diese Erfahrungen nährten die hyperrealistische und barocke Schreibweise seiner Romane: Kaputt (1944), mit seinen schockierenden Seiten über Hans Frank in Krakau, und La pelle (1950), mit denkwürdigen Szenen und Episoden, die irritieren, beunruhigen und faszinieren. In La pelle kontrastiert Malaparte die Unschuld und Naivität der amerikanischen Soldaten mit der Verzweiflung und Korruption der besiegten Italiener und stellt die vereinfachenden moralischen Interpretationen des Konflikts in Frage. Seit dem Tag, an dem die alliierten Armeen im Oktober 1943 als Befreier einmarschierten, grassiert in Neapel eine schreckliche Pestepidemie, die auch die Seele verdirbt. Die in eine Hölle der Abscheulichkeit verwandelte Stadt bietet Visionen eines obszönen, erschütternden Grauens.
Bei der Neuübersetzung von Die Haut hat Heibert sich vorgenommen, sich „durchbeißen“ und ihn mit einer „Art von Gelassenheit“ übersetzen zu wollen: Das Buch sagt er, sei „intensiv und wild und oft schwierig, aber es bereitet mir kein Unbehagen.“ Im Übersetzerzentrum spricht er über den work in progress an diesem schillernden Buch, das nach Kaputt den Autor Malaparte weltberühmt gemacht hat.

Frank Heibert (Essen 1960) ist einer der angesehensten deutschen Literatur – und Theaterübersetzer. Er war Stipendiat der Villa Massimo und setzt sich mit der Theorie des Übersetzens auseinander. Bei der Übersetzerwerkstatt anlässlich des Deutsch – Italienischen Übersetzerpreises hat er 2023 in Berlin eine Lectio magistralis gehalten. Er hat über 70 Romane und Erzählbände sowie rund 90 Theaterstücke aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen ins Deutsche übertragen, unter anderem das Handbuch für den perfekten Gentleman von Aldo Busi (Magnus 1994, it.: Mondadori 1992 ) Eine neue deutsche Übersetzung von Curzio Malapartes Roman La pelle (Die Haut) wird im September 2024 im Rowohlt Verlag erscheinen, danach ist auch eine Neuübersetzung von Kaputt geplant.

Maike Albath (1966) ist Kulturjournalistin und Autorin und eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur und Literatur. Sie ist für den Deutschlandfunk Kultur tätig und schreibt für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit. Sie ist Autorin der Bücher Der Geist von Turin (Berenberg Verlag 2010), Rom, Träume (Berenberg Verlag 2013) und Trauer und Licht (Berenberg Verlag 2019). Außerdem ist sie Vorsitzende der Jury für den Deutsch – Italienischen Übersetzerpreis, der im Juni 2024 in der Italienischen Botschaft in Berlin für die deutsche Übersetzung eines italienischen Romans verliehen wird.

Moderation

Mitwirkende

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Forum International + Übersetzungszentrum  (Halle 4, Stand C403)

Aussteller