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Diskussion

Traditionelle Freunde und orthodoxe Brüder?

Veranstalter: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)

Kurzbeschreibung

Griechisch-serbische Beziehungen während der Jugoslawienkriege 1991–1999

Beschreibung

Das Ende des Kalten Krieges und der Ausbruch der kriegerischen Auseinandersetzungen im bis dahin sozialistischen und blockfreien Jugoslawien stellten eine Phase grundlegenden Umbruchs in Südosteuropa dar. Die 1990er Jahre führten aber nicht nur im vormals staatssozialistischen östlichen Europa zu vielfältigen Neuorientierungen und Umdeutungen, sondern auch beim NATO- und EG-Mitglied Griechenland. Der Zusammenbruch der alten Ordnung spiegelte sich in einem Wandel von Wahrnehmungen, einer Re-Interpretation von Deutungsmustern und Radikalisierung von Vorstellungen. Als eine Erscheinung dieser Prozesse lässt sich die griechisch-serbische Freundschaft bezeichnen. Die während der 1990er Jahre im öffentlichen Diskurs in Griechenland und Serbien verbreitete Berufung auf die »traditionell guten Beziehungen« wurde dabei vor allem mit der Glaubensbrüderschaft in der Orthodoxie und der Waffenbrüderschaft in den Balkankriegen sowie im Ersten Weltkrieg begründet. Auf dieser Grundlage wurde zuweilen eine »Schicksalsgemeinschaft« von Griechen und Serben abgeleitet und damit eine besondere Nähe beider postuliert. Das jüngst in der Reihe Moderne europäische Geschichte im Wallstein Verlag erschienene Buch Freundschaftsbande. Griechisch-serbische Geschichts- und Gegenwartsvorstellungen vor dem Hintergrund der Jugoslawienkriege 1991-1999 fragt nach den Gründen für diese Entwicklungen und insbesondere für die Wirkungsmacht und das Mobilisierungspotential der Vorstellung von einer traditionellen Verbundenheit zwischen Griechen und Serben. Es eröffnet dabei eine Reihe weiterreichender Fragen nach Logiken von Freundschaft und Feindschaft in internationalen Beziehungen, gruppenkonstituierenden Prozessen und Emotionalisierungstechniken. Stefan Troebst, Professor für Kulturgeschichte des östlichen Europa an der Universität Leipzig und stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) von 1999 bis 2021, und Adamantios Th. Skordos, Privatdozent für European Studies an der Universität Leipzig sowie wissenschaftlicher Referent am GWZO, diskutieren gemeinsam mit der Autorin Ruža Fotiadis, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Südosteuropäische Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, die griechisch-serbischen Beziehungen, Vergangenheitsauffassungen und Gegenwartsdeutungen vor dem Hintergrund der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre.

Mitwirkende/Autoren: