Grenzenlos: Gastländer und ihre Literaturpräsentationen

In Deutschland werden laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels jährlich tausende Bücher ins Deutsche übersetzt, vor allem aus dem Englischen, aber auch aus dem Französischen und Japanischen. Andere Sprachen kommen in der Statistik nur noch in verschwindend geringer Zahl vor.

Doch es kann nie genug Einblicke in andere Länder, Sprachen, Gesellschaften und Menschen geben. Eine Präsentation als Gastland sorgt für eine große Medienaufmerksamkeit und damit Sichtbarkeit für Autoren:innen, Werke und ihre Themen bei Verlagen, Medien und einer breiten Öffentlichkeit. Dabei steht nicht nur die Literaturszene des jeweiligen Landes oder der jeweiligen Sprache im Fokus. Die Gastländer bereichern das Programm der Leipziger Buchmesse, ob auf dem Messegelände oder in der Stadt Leipzig, zusätzlich mit Musik, Performances, Filmkunst, Ausstellungen oder kulinarischen Spezialitäten.

Mit einem solchen Feuerwerk der Literatur und Kultur überraschten die bisherigen Gastländer so manchen Besuchenden der Buchmesse und begeisterten die breite Öffentlichkeit. Jedes Gastland war ein Gewinn für die Leipziger Buchmesse und ihre Gäste. Parallel konnten die Gastländer in Leipzig nachhaltige Netzwerke zwischen Verlagsverteter:innen, Übersetzer:innen, Autor:innen, Buchhändler:innen und Eventmacher:innen knüpfen.

Die Gastländer im Überblick

2023: Österreich

2023 begrüßt die Leipziger Buchmesse Österreich als Gastland. Doch schon im kommenden Jahr wird sich unser Nachbar in Leipzig mit einem umfangreichen Programm präsentieren. Es folgt ein Jahr der österreichischen Literatur mit Veranstaltungen in mehreren deutschen Städten sowie Lese- und Pressereisen. Den Höhepunkt bildet schließlich der Gastland-Auftritt im März 2023. Aktuell wird seitens der künstlerischen Leiterin Mirjam Unger und des Hauptverbands – in Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern von Buchbranche, Autorenschaft und Literaturkritik – intensiv an den Programmleitlinien gearbeitet.

2022: Portugal - Unerwartete Begegnungen

Portugiesisch ist für rund 240 Millionen Menschen Muttersprache und zählt somit zu den Weltsprachen. Wenn Portugal 2022 Gastland der Leipziger Buchmesse wird, steht daher nicht nur ein einzelnes Land im Fokus, sondern vor allem die Literatur in portugiesischer Sprache, in der sich Autor:innen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika ausdrücken. Als Vorgeschmack auf den Auftritt im kommenden Jahr präsentierte das Land daher schon bei Leipzig liest extra neben bedeutenden Schriftsteller:innen und vielversprechenden Newcomern aus Portugal auch portugiesisch-sprachige Autor:innen etwa aus Angola, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mosambik oder São Tomé e Príncipe. Lassen Sie sich entführen – in fremde Kulturen und neue Blickwinkel.

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2019: Tschechien – Ahoj Leipzig

Bereits im Oktober 2018 starteten das tschechische Kulturministerium und die Mährische Landesbibliothek Brünn das Tschechische Kulturjahr, welches Buchkultur, Schriftsteller:innen, Denker:innen, Kunst, Comics, Musik, Design und Fotografie aus der Tschechischen Republik in den gesamten deutschsprachigen Raum trug.

Absoluter Höhepunkt des tschechischen Kulturjahres war der Auftritt Tschechiens als Gastland der Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24. März 2019. Knapp 60 Autor:innen und Kunstschaffende hatten ihre Reise nach Leipzig gebucht. Sie stellten ihre neuesten Werke vor und freuten sich auf den Austausch über Literatur und Kultur mit Kollegen und Publikum.

Bereits im Vorfeld nutzten jeweils fünf Autor:innen aus der Tschechischen Republik und fünf aus Deutschland das Residenzprogramm des Gastlandauftritts, um zwischen August 2018 und Januar 2019 an ihren aktuellen Büchern in Leipzig bzw. Brünn zu arbeiten. Eine Kostprobe ihrer Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Land brachten sie mit zur Leipziger Buchmesse.

Im Anschluss an die Gastlandpräsentation wurden die neu übersetzten tschechischen Bücher in den Literaturhäusern und Kulturinstitutionen zahlreicher Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt: z. B. in Berlin, Dresden, Bremen, Frankfurt, München und Heidelberg, in Wien, Linz, Salzburg und Graz sowie in Zürich und Basel.

ahojleipzig2019.de

2018: Rumänien – Romania. Zoom in

Unter dem Motto "Romania. Zoom in" wurden vom 15. bis 18. März die Türen zur rumänischen Literatur geöffnet. In über 50 Veranstaltungen bekamen die Besucher:innen die Gelegenheit, ein lebendiges Bild der Kulturszene des zweitgrößten Landes im Osten Europas zu erleben.

Die literarische Reise führte dabei nicht nur zu zeitgenössischen und klassischen literarischen Werken Rumäniens, sondern auch zu über 40 Neuübersetzungen, die erstmals zur Leipziger Buchmesse vorgestellt wurden. Zudem gab es ein spannendes Programm kultureller Rahmenveranstaltungen. So wurde neben der Literatur auch Film, Fotografie und Musik aus Rumänien in Leipzig gezeigt.

Zu den Programmhöhepunkten gehörten hier die Filmtage "Romanian Film Days", die Fotoausstellung „Immer war diese Hoffnung – ehemalige Russland-Deportierte erinnern sich” sowie die literarisch-musikalische Begegnung zwischen der Schriftstellerin Herta Müller und der rumänischen Musikerin Ada Milea.

2017: Litauen – Fortsetzung folgt

Litauen präsentierte sich im Rahmen der Leipziger Buchmesse als integrativer Bestandteil Europas: in Lesungen, Gesprächen, Debatten über aktuelle politische Fragen, Foto- und Filmpräsentationen, mit der Einbindung zeitgenössischer Künstler und einem Musik-Programm.

Auch Veranstaltungen zum 100-jährigen Geburtstag von Johannes Bobrowski (1917-1965) standen auf dem Programm. Zentrale Themen des deutschen Lyrikers und Erzählers waren die osteuropäische Landschaft sowie die Sprachen und Mythen der baltischen Kulturen, insbesondere Litauens.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Präsentation junger litauischer Buchherstellungskunst. Zudem gab es ein „historisches Studio der deutsch-litauischen gastronomischen Beziehungen“ und ein Messegeschenk an die Leipziger Besucher:innen: eine kulturhistorische Essay-Sammlung zu Kunst, Geschichte und Kultur des modernen Staates Litauen.

Litauen – Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2017 wurde veranstaltet vom Lithuanian Culture Institute und der Leipziger Buchmesse in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium der Republik Litauen, der Botschaft der Republik Litauen in Deutschland, dem Litauischen Verlegerverband, dem Staatlichen Tourismusamt Litauen sowie dem Goethe-Institut Litauen.

2015: 1965-2015. Deutschland-Israel – anlässlich 50 Jahre diplomatische Beziehungen Israel-Deutschland

Im Jahr 2015 begingen Deutschland und Israel ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. Zwanzig Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur und dem Völkermord an etwa sechs Millionen Juden und Jüdinnen sowie siebzehn Jahre nach der Staatsgründung Israels war die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen am 12. Mai 1965 eine historische Leistung.

Mit ihrem Messeschwerpunkt „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ würdigt die Leipziger Buchmesse 2015 das einzigartige Verhältnis beider Staaten. Zahlreiche Autor:innen aus Israel und Deutschland kamen im Rahmen des Literaturevents zu Wort und sprachen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Während der Messetage, vom 12. bis 15. März 2015, reisten 40 Autor:innen aus Israel und Deutschland zu insgesamt 74 Lesungen, Paneldiskussionen und Lesepartys nach Leipzig. Sie präsentierten unterschiedliche Facetten des deutsch-israelischen Verhältnisses und spiegelten das Leben der jeweils anderen Gesellschaft.

Der Messeschwerpunkt wurde von der Botschaft des Staates Israel in Berlin und dem Club Bertelsmann in Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen und weiteren Partnern organisiert. Die Leipziger Buchmesse und die Stadt Leipzig unterstützten das Programm.

2014: Schweiz – Auftritt Schweiz

Im Jahr 2014 stand die Schweiz im Zentrum der Leipziger Buchmesse. Sie trug Literaturen und Kulturen in die Stadt und Region: so populär wie intellektuell überzeugend, so wirkungsvoll wie erfrischend – möglichst nachhaltig zudem. Sie vertiefte auch eine literarische Freundschaft, die auf der Sympathie zwischen Sachsen und Schweizern beruht.

Insgesamt 80 Autor:innen und 70 Verlage präsentierten in Leipzig ihre aktuellen Werke. In der Glashalle der Messe, am Schweizer Gemeinschaftsstand, im Schauspiel Leipzig, im Museum der Bildenden Künste, in Schulen und an vielen weiteren Orten wurde die Schweizer Kultur in ihren unterschiedlichen Facetten gezeigt. Sei es in Literatur, Film, über Theater, Architektur bis hin zu Design und digitaler Kunst.

Für die optische Präsenz des Schweizer Länderauftritts in der Leipziger Innenstadt sorgen bis heute die roten Bänke, die zum Verweilen einladen. Der „Auftritt Schweiz“ wurde veranstaltet vom Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV, mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, von Präsenz Schweiz, Schweiz Tourismus und Keystone sowie von der Leipziger Buchmesse.

www.auftritt-schweiz.ch