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    Nachricht vom 10.12.09 | Leipziger Buchmesse

    Die Musikstadt Leipzig

    Leipzig verfügt über eine große musikalische Tradition, die mit der Gründung des Thomanerchors 1212 begann. Hervorgegangen ist er aus dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift. Die Bekanntheit des Knabenchors als ältester fortbestehender Chor überhaupt gründet sich auch auf die Leitung durch viele bekannte Musiker und Komponisten. Der bekannteste unter ihnen: Johann Sebastian Bach.

    Den Nährboden für die Entfaltung Leipzigs zu einem der bedeutendsten Musikzentren Europas bereitete die Eröffnung des Opernhauses 1693, des dritten bürgerlichen Musiktheaters in Europa nach Venedig und Hamburg. Hinzu kam 1743 die Etablierung des heute über 250 Jahre alten Gewandhausorchesters.

    Johann Sebastian Bach, der als Thomaskantor und Leipzigs "Director musices" verantwortlich war für die Kirchenmusik an den Leipziger Hauptkirchen St. Nikolai und St. Thomas sowie an der Neuen Kirche St. Matthäi und der Peterskirche, verhalf der Stadt zu Weltruhm. Seine Hauptwerke wie die Johannespassion und das Weihnachtsoratorium wurden hier zur Uraufführung gebracht.

    Dem Wirken des berühmten Komponisten der Romantik Felix Mendelssohn Bartholdy ist es zu verdanken, dass Leipzig auch ein Zentrum der praktischen musikalischen Bildung erhielt. Das Konservato­rium war zugleich die erste Musikhochschule Deutschlands.

    Zahlreiche Werke der hier entstehenden Musik erlebten ihre Urauf­führungen am Leipziger Gewandhaus, wo Felix Mendelssohn Bartholdy als Kapellmeister des Gewandhausorchesters wirkte. Sein Wohn- und Sterbehaus in der Goldschmidtstraße 12 ist heute Museum und wurde als Ort von nationaler Bedeutung in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen.

    Auf Mendelssohn Bartholdy folgten weitere berühmte Gewandhaus­kapellmeister wie Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter, Franz Konwitschny, Kurt Masur und Herbert Blomstedt bis hin zu Riccardo Chailly.

    Auch dem Komponisten Robert Schumann und der Pianistin Clara Schumann verdankt Leipzig sein musikhistorisches Renommee. Schumann komponierte hier unter anderem die Frühlingssinfonie, den ersten Satz des Klavierkonzertes in a-Moll, Kammermusikwerke und Liederzyklen. Clara schuf die Voraussetzungen für ihre hohe Interpreta­tionskunst.

    Richard Wagner ist der bekannteste in Leipzig geborene Komponist. Er wurde in der Thomaskirche getauft und besuchte die alte Nikolaischule. Ab 1831 studierte er an der Universität Leipzig Musik, außerdem nahm er Kompositionsunterricht bei Thomaskantor Christian Theodor Weinlig. Sein erstes Werk erschien bereits ein Jahr später im Verlag Breitkopf und Härtel.

    Auch Edward Grieg schrieb mit seiner Verbundenheit zu Leipzig ein Stück der städtischen Musikgeschichte. Er besuchte das Leipziger Kon­servatorium und schloss im Jahre 1889 mit dem Musikverlag C. F. Peters in Leipzig einen Generalvertrag ab, der dem Verlag das alleinige Recht der Publikation seiner Werke und ihm - sowie nach seinem Tode seiner Frau - auf Lebenszeit ein gutes finanzielles Auskommen sicherte.

    Im August 1886 übernahm der österreichische Komponist Gustav Mahler an der Seite von Arthur Nikisch die Stelle des zweiten Kapell­meisters an dem 1868 neu eröffneten Leipziger Stadttheater. Mit großem Erfolg brachte er hier unter anderem Wagners "Tannhäuser", Webers "Freischütz", Beethovens "Fidelio" und Halévys "Die Jüdin" zur Aufführung. Er gilt durch seinen Bruch mit althergebrachten musika­lischen Konventionen als Wegbereiter von der Romantik zur Moderne.

    Hugo Riemann ist es zu verdanken, dass seit 1908 das musikwissen­schaftliche Seminar als offizielle Institution besteht. Damit gelang es Riemann, die Musikwissenschaft als eigenständige Disziplin an der Universität Leipzig zu etablieren. Auch der berühmte Pianist und Kom­ponist Max Reger wirkte 1907 bis zu seinem Tod als Universi­täts­pro­fessor an dem königlichen Konservatorium.

    Die Vielgestaltigkeit Leipzigs als Musikstadt kommt nicht nur in der Architektur, der Lehre oder dem hiesigen Schaffen der Komponisten zum Ausdruck. Auch auf handwerklicher Ebene wird der Status deutlich: der des Musikinstrumentenbaus. Heute lässt sich die vielfältige Welt der Musikinstrumente im Musikinstrumenten Museum der Leipziger Uni­versität im Grassi Museum bestaunen. Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von den handwerklichen, künstlerischen und experimentellen Fähigkeiten der Instrumentenbauer seit dem 16. Jahrhundert.

    Sogar die DDR-Regierung würdigte Leipzigs Status als Musikstadt, indem sie den Neubau des im Krieg zerstörten Gewandhauses als ersten und einzigen Neubau einer reinen Konzerthalle in der DDR förderte. Die Zustimmung zu einem neuen Gewandhaus wird vor allem dem Einsatz des damaligen Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur zugeschrieben.

    Direkt neben dem Gewandhaus, am Leipziger Augustusplatz, residieren heute im eigenen Klangkörperdomizil das Rundfunksinfonieorchester sowie der Chor und der Kinderchor des Mitteldeutschen Rundfunks. Unter Leitung von Chefdirigent Jun Märkl und Chordirektor Howard Armann geht man hier dem öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag nach und bereichert das Musik- und Konzertleben Mitteldeutschlands sowie auf Auslandsgastspielen.

    Auch an der 600 Jahre alten Universität der Stadt wird ein intensives musikalisches Leben gepflegt. Unter Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm stehen der Universitätschor, das Universitätsorchester und die Uni-Bigband.

    Leipzig überzeugt durch ein reichhaltiges Musikprogramm von Welt­klasse. Dazu zählen der musikalische Alltag an der Oper, in der Thomaskirche oder im Gewandhaus ebenso wie das internationale Leipziger Bachfest oder die Mendelssohn-Festtage.


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