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    Kategorie Belletristik: Saša Stanišić „Vor dem Fest“

    13.03.14 | 16:49 Uhr | Leipziger Messe | Leipziger Messe

    Saša Stanišić, geboren 1978 im Osten Bosniens, kam als Jugendlicher nach Deutschland. Er studierte in Heidelberg und am deutschen Literaturinstitut Leipzig. Der Autor, Blogger und Kolumnist erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, unter anderem den Kelag-Publikumspreis des Bachmann-Wettbewerbs. Sein Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ stand 2006 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

    Zur Begründung

    „Omne solum forti patria est. Dem Starken ist jeder Ort Heimat.“ Auch, darauf will die unentwegte Dorfmalerin Frau Kranz hinaus, Fürstenfelde in der Uckermark. Saša Stanišić kommt nicht von dort, aber er hat das Dorf großzügig adoptiert. „Geburt ist unser erstes Glückslos. Meins war eine Niete.“ Sagt Frau Kranz, die aus dem Banat stammt. Fürstenfelde ist aber auch nicht gerade der Haupttreffer: mehr Todesfälle als Geburten, kein Gasthaus mehr, die Jungen gehen weg, jetzt ist auch noch der Fährmann tot. Nur: We kann ein sterbendes Dorf so voller Leben sein? Das eben ist die Kunst des Saša Stanišić: Er hat ein Dorf erfunden, das es ganz gewiss gibt. Nur vielleicht nicht so menschenfreundlich, so unverdrossen. Er macht die Räume eng und die Zeit, erzählt von einer einzigen Nacht, der Nacht vor dem Annenfest, in der sich unwahrscheinlich viel ereignet und manches entscheidet. Zugleich jedoch stößt er die Tür zur Vergangenheit auf, nicht nur zur jüngsten: „Solang noch ein DDR-Fön irgendwo Haare trocken kriegt, ist die DDR nicht tot.“ Die ist aber nur die oberste Schicht – und die Nazizeit auch nur ein weiteres Sediment. „Vor dem Fest“ unternimmt eine Probebohrung in die Tiefe deutscher Geschichte als Mythologie; ein Unternehmen allerdings, das den gegenwärtigen Kult weihevollen Gedenkens subtil verspottet: Die alten Schriften, Chronikberichte, Legenden und haarsträubenden Anekdoten à la Kleist, die im „Haus der Heimat“ von einer gemütskranken Kustodin verwahrt werden, sind von höchst zweifelhafter Herkunft. Was das Vergnügen daran nicht mindert. Stanišić hat ein Dorf aus Sprache erfunden, ein Kaleidoskop, einen Kosmos aus vielen Stimmen, Klangfarben, Jargons, die Welt in nuce, magisch zusammengehalten von einem kollektiven Erzähler, der dazugehört, einem, der verschmitzt ist und gewitzt und klug und ein bisschen weise. Als gälte es, das Zerrbild des Antiheimatromans geradezurichten, dessen Typologie nur das verpatzte Fest kennt. Diese Dörfler sind keine Schurken, Sünder sind sie allemal. Weil auch die Tiere zu dieser fabelhaften Welt der Nussschale gehören, kann eine Füchsin oder Fähe vor einer Bäckerei stehen und denken: „Darin machen Menschen das, was Menschen am liebsten machen: aus einer Sache eine andere.“ Aus einer Sache eine andere machen, das klingt nach einer Mischung aus Handwerk und Alchemie – und nichts anderes macht Saša Stanišić dank stupendem Sprach- und Erzählwitz mit und aus seinem Stoff. Man nennt es Literatur, und es lässt sich nicht einsperren in ein Ghetto ewigen Migrantentums. Omne solum forti patria est. Dem Starken ist jeder Boden Heimat. Auch der Sand der Uckermark.

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